Die klinische Waldtherapie
Die klinische Waldtherapie hat als präventives medizinisches Verfahren das Ziel, durch eine Kombination ausgewählter körperlicher und mentaler Übungen die geistige und körperliche Gesundheit zu stärken.
Entstanden ist die Waldtherapie aus dem Shinrin - yoku, dem Waldbaden, in dem es vornehmlich um das „Eintauchen mit allen Sinnen in die Atmosphäre des Waldes“ geht.
Die klinische Waldtherapie kann therapeutisch genutzt werden. Wir arbeiten nach dem internationalen Standard( International Core Curriculum of Forest Therapy (ICCFT)), das die Grundlage der Aus- und Fortbildung Klinischer Waldtherapeuten (m/w/d) bildet.
Als zertifizierte klinische Waldtherapeuten bieten wir hier ein passendes Format für Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Auch für Einzelpersonen und kleine Gruppen ist sie geeignet.
Wir arbeiten mit daran, die klinische Waldtherapie in Deutschland als wissenschaftlich anerkanntes Naturheilverfahren zu integrieren. Wir konnten bereits gemeinsam mit der NFTA und der Charité Berlin Studiendurchführungen als Waldtherapeuten mitbegleiten.
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zum Thema: Hamburger Abendblatt Mai 2022.
Der Ansatz ist ganzheitlich. Deine Gesundheit wird so auf vielen Ebenen gestärkt – so wird z.B. Deine Atmung reguliert, Stress wird abgebaut, Dein Immunsystem gestärkt, Dein Blutdruck ausgeglichen, Deine Laune verbessert.
Du kannst besser schlafen, Dich besser konzentrieren, kreativer sein….
Dein gesamter Allgemeinzustand, ob körperlich, geistig oder emotional wird gestärkt.
( Link zu Forschungsergebnissen auf NATURVERTRAUEN.org )
Wenn Du bestimmte Themen bearbeiten möchtest, kontaktiere uns gerne persönlich.
Kirstin Lütgen auf dem 1. Wartenberger Waldtherapiekongress 10.2025:
Ein grünes Wunder – Wie der Wald geriatrische Patient*innen stärkt
Ein Erfahrungsbericht aus meiner Sicht als Klinischen Waldtherapeutin
Als Klinische Waldtherapeutin durfte ich Teil eines ganz besonderen Projekts an der Klinik Wartenberg sein: eine klinische Waldtherapiesitzung mit Patientinnen und Patienten aus der Geriatrie – direkt auf dem eigens angelegten Waldtherapiepfad der Klinik. Was sich zunächst nach einem schönen Spaziergang anhören mag, ist in Wirklichkeit ein wissenschaftlich fundierter, therapeutisch wirksamer Ansatz, der Körper, Geist und Seele stärkt.
Dass die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach der Klinik kürzlich einen Förderbescheid über 55.000 Euro zur wissenschaftlichen Evaluation dieses Pfads überreichte, zeigt deutlich: Klinische Waldtherapie ist kein Wohlfühltrend – sondern zukunftsweisende Altersmedizin.
Gerade in Zeiten des demografischen Wandels brauchen wir neue Wege, um älteren Menschen Lebensqualität, Würde und Selbstständigkeit zu ermöglichen. Es war mir eine Ehre, mit diesen Patient*innen ein Stück dieses Weges zu leiten – und eine zutiefst menschliche Erfahrung.
Vom Klinikalltag in die Lebendigkeit
Ich erinnere mich an einen bewegenden Tag: Zwei ältere Menschen begleiteten mich – eine Frau mit Rollator, ein Mann mit einem Rollstuhl, den er für Pausen nutzte. Bereits bei der Begrüßung spürte ich ihre Offenheit und stille Vorfreude. Sie wussten: Das hier ist etwas Besonderes. Als ich ihnen für ihre Teilnahme an der Studie dankte, war da ein Moment von Stolz, vielleicht sogar Pioniergeist. Sie helfen mit, etwas Neues zu erforschen – für sich selbst und für viele andere nach ihnen.
Wir begannen mit dem Öffnen der Sinne: Eine angeleitete Achtsamkeitsmeditation. Dann die ersten Übungen : Das Fühlen von Naturmaterialien wie z.B. Rinde, Moos und Zapfen mit geschlossenen Augen, das Riechen frisch gepflückter Zweige – Lärche, Thuja, Tanne, Fichte, aber auch Erde und Moos. Sofort begannen sie zu erzählen: „Diesen Duft kenne ich noch aus meinem Garten …“ Tiefe Atmenzüge wurden genommen und geschnuppert.
Ich sah, wie ihre Gesichter sich veränderten. Die Wangen wurden rosig, ihre Augen hell. Aus Patienten wurden Menschen – verbunden, lebendig, neugierig. Die Medizin des Waldes began zu wirken zusammen mit dem Abstand vom Klinikalltag, der so heilsam wirkte.
Therapeutisch wirksam – wissenschaftlich fundiert
Die Übungen, die wir in der Waldtherapie anwenden, sind keine Intuition, sondern evidenzbasiert. Wir arbeiten nach dem internationalen Standard der INFTA (International Nature and Forest Therapy Alliance). Zahlreiche Studien belegen die Effekte: Der Aufenthalt im Wald senkt Blutdruck und Cortisolspiegel, fördert die Herzratenvariabilität stärkt das Immunsystem und hebt die Stimmung . Gleichzeitig wirkt die Sinnesaktivierung im Wald direkt auf die emotionalen Zentren im Gehirn – beruhigend, stabilisierend, öffnend.
Was mich aber am tiefsten berührt hat: Die stille Faszination während der Lupenübung. Die Patient*innen betrachteten minutenlang eine Pusteblume. Etwas so Einfaches – und doch so tief. Sie waren ganz im Moment, ganz bei sich. Kein Gedanke an Diagnosen, keine Klinikroutine. Nur Präsenz, Staunen, Menschsein.
Waldtherapie als Teil der Klinik – ein mutiger und hoffnungsvoller Schritt
Dass eine Klinik wie Wartenberg den Mut hat, diese Therapieform zu integrieren und wissenschaftlich begleiten zu lassen, ist nicht selbstverständlich – und unglaublich wertvoll. Bereits zu Beginn meiner Ausbildung durfte ich an einer anderen Studie mitwirken, in der Studienteilnehmer*innen mehrere Tage hintereinander Waldtherapiesitzungen erhielten. Ich konnte mit eigenen Augen beobachten, wie sich ihre Stimmung Tag für Tag verbesserte, wie sie aufblühten – körperlich wie seelisch.
Diese Erfahrungen machen deutlich: Waldtherapie kann ein wirkungsvoller Baustein im Klinikalltag sein – gerade in der Geriatrie.
Mein Herzensanliegen
Für mich ist es eine tiefe Ehre, mit alten Menschen in diesem Setting zu arbeiten. Ihre Offenheit, ihr Humor, ihre Geschichten – das ist nicht nur heilsam für sie, sondern auch für mich als Therapeutin. Diese Arbeit verbindet. Und sie macht deutlich, was wirklich zählt: Würde, Berührung, Menschlichkeit.
Ich wünsche mir, dass noch viele Kliniken und Therapeuten und Ärzte den Weg der Waldtherapie gehen. Weil sie wirkt. Weil sie berührt. Und weil sie uns daran erinnert, dass in der Natur ein Raum liegt, in dem Heilung geschehen kann – leise, langsam, nachhaltig.
Vielen Dank das ich Teil dieser grossartigen Arbeit sein darf
Herzliche Grüße singt aus dem Wald Kirstin Lütgen